Sonntag, 20. Februar 2011

Börse meidet Entscheidungsdruck

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor einem baldigen Absturz der Börsen gewarnt wird. Viele Analysten meinen dabei besonders originell sein zu müssen und führen neue Meß-Methoden ein. So soll zum Beispiel ein „Unterhosen-Indikator“ anzeigen, wie sich die Ausgabenfreude der Verbraucher entwickelt. Oder: Aus dem Anteil der Schönheits-Operationen an den Gesamt-Gesundheitskosten wird auf wirtschaftliche Zuversicht geschlossen. Alles Schnullibulli für den trendorientierten Anleger. Er orientiert sich schlicht daran, wie sich die Kurse entwickeln und fragt erst in zweiter Linie, warum das so ist. Denn in den Preisen der Aktien spiegeln sich ja zig-tausend Einzelentscheidungen von Investoren auf der ganzen Welt wieder. Dieser Brennpunkt ist ein exzellenter Filter, der für sich schon Signal genug ist. Solange kurzfristig fallende Kurse zum Schluss eines Börsentages wieder hochgekauft werden, wie in der vergangenen Woche, kann es kaum ein besseres Zeichen von innerer Stärke eines Marktes geben. Dazu braucht man keine Unterwäsche oder plastische Chirurgie. Wird der aktuelle Seitwärtskanal nach unten aufgelöst, kann es für die Optimisten kurzfristig ungemütlich werden. Das ist bekannt. Wirkliche Gefahren sehen Marktexperten aber erst bei einem Abrutschen unter 7200 Zähler. Brechen die Kurse nach oben aus, kommt der Bereich von DAX 7500 in Schlagdistanz. Die Börse lässt sich hier aber keinerlei Entscheidungsdruck aufdrängen, auch wenn die Luft dünner werden sollte. Die Kurse folgen nicht dem Wunschkonzert der Späteinsteiger, sondern wie auch DAX-Droid nur den Gesetzen von Angebot und Nachfrage.

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